Donnerstag, 24. August 2006

Unser Roland


Roland Emmerich, Regisseur gewissen Alters, gilt als einer der wichtigsten Filmemacher Hollywoods. Das ist zugegebenermaßen kein Qualitätsnachweis , doch eines ist dem Deutschen damit ganz gewiss zuteil: Der freie Zugang zu einem Millionenpublikum. Das klingt im ersten Moment in Anbetracht unserer Gesellschaft wie eine moderne Umschreibung der Macht Gottes, im Falle einer Nichtexistenz dessen ist sie es auch. Politiker können Reden schwingen, versuchen die Leute der Vernunft ein wenig näher zu bringen, nur ist die Effizienz ihrer Versuche wohl kaum mit der derer zu vergleichen, die es vermögen sowohl die gebildetere Schicht als auch die nach Meinung derer untergeordneteren ihrem Subversiv zu unterziehen. Was man von Rednerpulten hört, kann wahr sein oder auch aus einem Roman der Grimmgebrüder vorgetragen, wie auch die Message, neudeutsch formuliert, in den Filmen großer Produzenten. Nur besteht darin ein Unterschied, dass der Film das Volk nicht mit erhobenem Zeigefinger mahnt, man müsse auf dies und jenes notwendigerweise verzichten, nein, im Vordergrund steht der Spaß. Und was hat man für einen Spaß, wenn einem die professionellen Komiker wild um sich gestikulierend mit Aberwitzigen Wortspielen den Kopf verdrehen oder der nächste Kugelhagel in Zeitlupe mit einem Erdbeben von Bass an einem vorbeirauscht. Und plötzlich, still und heimlich, lässt der Protagonist, der kurz zuvor noch dem letzten Bösenwicht in einem atemberaubenden Duell zu seinem letzten Frieden geleitet hat, einen Satz los. Einen einfachen Satz, nichts besonderes, keine erschütternden Enthüllungen mehr, nur noch ein letztes Statement, das so im Drehbuch stand und mit dem entsprechenden Gesichtsausdruck noch, um dem Film seine kompletten 117 Minuten zu geben, vorgetragen werden musste. Woher kommt dieser Satz? Welchen Sinn ergibt er und vor allem, welchen Zweck verfolgt er? Über die letzte Frage macht sich der geringste Teil der gespannten Zuschauerschaft Gedanken, bezeichnenderweise ist dies jedoch die wichtigste.
Zumeist hat der Satz seinen Ursprung in der Idee eines Drehbuchauthors oder Schriftstellers, doch seine Buchstaben, Grammatik und engültige Form erreicht er erst, wenn er auf dem Skript steht, nach dem die Schauspieler tanzen, aus der Feder des wichtigsten Mannes des endgültigen Werkes, des Regisseurs.
Und wenn man sich nun das Set für den Film als ein kleines eigenständiges Biotop vorstellt, sieht man mit ein wenig Fantasie seine eigene kindliche Vorstellung eines Spiels, dessen einzige Regel besagt, man selbst sei der Allmächtige.
Alle gehorchen seinen Befehlen, und sieht man ein wenig genauer hin, tun das die Kinobesucher auch. Denn wenn der Regisseur Roland Emmerich heisst und eines seiner Werke über irgendein Medium ausgestrahlt wird, erkennt man mit etwas Überlegung, wie der Zeus auf Erden seine Rolle interpretiert. Als einer, der dem so hilfsbedürftigem Pöbel die Erleuchtung zukommen lassen will, nach der er so sehr lechzt. Wenn dieser besagte Satz von einem ehemaligen schwarzen Sklaven ausgesprochen wird, der in einem historischen Szenario des Freiheitskampfes der USA gegen das personifiziert boshafte Brittanien an vorderster Front steht und verlauten lässt, er sei aus freien Stücken hier, weil er sein Vaterland, das ihn einst so ausnahm, nach einer Handvoll willkürlich ersetzbarer Dialoge und Kämpfe, so zu lieben und ehren gelernt habe, da er ja, so kann man es auch sehen, wie zuvor von seinem Meister einige Szenen zuvor erwähnt, nicht allzu bewandert im Umgang mit seinem Denkorgan sei, stellt sich einem zwangsläufig die Frage, ob es denn nicht vernünftiger sei, einen solch verantwortungsvollen Posten mehr als einem, oder zumindest einem anderen Individuum anzuvertrauen. Zum einem liefe gut ein elftel der Welt nicht mehr Gefahr Patriotismus als ihr höchstes Gut vor den Kindern anzusehen, zum anderen erhielte man sich die Chance Filme auf alternativen, keinen sich selbst erklärenden und bestimmenden Hintergründen fußen zu lassen, was zumindest bei der Schicht Zustimmung finden würde, die es Satt hat an alle Götter zu glauben.

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6 Comments:

Blogger Phabian said...

Es wäre nett wenn du ein paar Beispiele für diese sog .Messages bringen könntest. War es Emmerich der Filme wie "Independence Day","Godzilla" und "Day after tomorrow" verbrochen hat oder unterlaufe ich gerade einem fatalen Fehler?
Nevertheless good job!

01:20  
Blogger El Manu said...

das bezieht sich wohl auf
"der patriot ".war ja kürzlich erst im fernsehn zu bewundern .

11:36  
Blogger Faust said...

Jo, Manu hat Recht, hier war "Der Patriot" der Auslöser für meine Hasstirade.
Also generell ist es so wie ich es beschrieben habe: Die Grundidee für einen Film kann sonstwoher kommen, aber im endeffekt ist es der Regisseur, der für Dialoge, Actionszenen usw. verantwortlich ist. Deshalb sind phabians Filme indeed Emmerichs Babies.Zur Message braucht man nicht allzu viel zu sagen, die ist bei all seinen Filmen gleich(hab nicht alle gesehen, aber eben einige): Amerika ist der Heiland der Welt, nur sie können das unvermeidliche stoppen, und das nur wegen ihres unerschütterlichen Patriotismuses, den der Rest der Welt, der gar nicht zu existieren scheint, eben nicht hat. Und man bedenke: Der Mann ist Deutscher!

21:32  
Blogger Phabian said...

naja in deutschland darfer nich patriotisch sein^^

22:43  
Blogger Thomas Der Baum said...

DU BIST SO INTELLIGENT!

23:12  
Blogger Mazzekazze said...

Oli, du solltest sowas öffentlich schreiben. Schick das mal ans Streiflicht, die drucken sowas

17:53  

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