Donnerstag, 2. Juli 2009

Sykophant und Hypokrit


Sorry für den dämlichen Titel, mir ist nix Besseres eingefallen. Zum Thema: Wer hier auf ein ***Tube Video wartet mit Obama- oder Jackowitzen(oder auf die üblichen wir-kacken-uns-in-den-mund-orgien) darf sich nun einen anderen Blog suchen. Nein, wir sind anspruchsvoller(Und der aufmerksame Leser wir anhand des letzten Satzes bald feststellen, was es mit dem Hypokrit in der Überschrift auf sich hat; Ironie pur)!

Heute beschäftigen wir uns mit dem Wesen des Kritikers und der Kritik unterschiedlicher Medien an sich, die, so unbedeutend wie sie ist, mindestens genauso faziniert. Unbedeutend deshalb, weil kein Mensch die Meinung eines dritten braucht, um sich seine eigene zu bilden(solche Bagatellen wie Entscheidungshilfen beim Artikelkauf lassen wir außen vor). Faszinierend ist jedoch, dass dies kaum einer begreift.
Aufgefallen ist mir das vor allem bei zwei Medienkomplexen:

1. Gaming-Foren:
Die Geschichte ist schnell erzählt; in diesen Foren schwelt, ganz gleich worum es geht, ein mal mehr mal weniger offensichtlicher Disput darum, welche Konsole nun allgemeingültig die beste sei(Playstation, Xbox, Wii). Dass die Fragestellung per se Unsinn ist interessiert nicht, es wird bei jeder sich nur im Ansatz bietenden Gelegenheit Partei zugunsten der bevorzugten Fraktion ergriffen. Meistens wird hierbei natürlich die Konsole verteidigt, die vor dem heimischen Fernseher steht. Und genau an der Stelle wird es Konfus: Anstatt sich einfach über seine Konsole zu freuen und zu zocken, kann man es scheinbar nicht auf sich sitzen lassen, wenn die eigene Konsole in irgendeiner Weise diskreditiert wird. Offensichtlich persönlich verletzt wird nun zum verbalen Gegenschlag in Richtung feindliche Konsole ausgeholt, zumeist mit gut gemeintem Verweis auf die fehlende geistige Gesundheit des Gegenübers. Damit beginnt der Kreislauf von neuem.

2. Amazon.de, stellvertretend
Hier kommt die eingangs erwähnte Kaufentscheidungshilfe zum Einsatz, welche in einem gewissen Rahmen durchaus ihren Zweck erfüllt, solange man bei der Bewertung Sachverhalte(Die Verpackung hat 4 Ecken) und/oder, sobald man Fragen des individuellen Geschmacks erörtert, Vergleichbarkeiten(Wer Billy Boy mag, könnte auch Gefallen an Parisern finden) in den Vordergrund stellt. Das macht in der Regel jedoch kein Mensch. Viel mehr neigen die "Rezensenten" dazu z.B. ein Buch oder einen Film als genial, tiefgehend, spannend oder langweilig, flach, dumm abzutun. Sachlich begründen lässt sich das natürlich nicht, ist halt so. Umso erstaunlicher ist die Selbstverständlichkeit, mit der die eigenen Eindrücke als unantsatbar und universell betrachtet werden. Noch besser zur Geltung kommt dieser Tick, wenn den eigentlichen Gag des Systems entdeckt hat: Die Möglichkeit der Kritisierung der Kritik, wundervoll! Das ganze nimmt dann Forum-ähnlich-groteske Züge an, allerdings auf viele Medien erweitert und stärker gebündelt, da Themenabweichungen in diesem Bereich eher selten sind. Die üblichen Totschlagarumente wie "Ganz schwach" oder "erst denken, dann schreiben" sind mitinbegriffen.


Was also sagt uns diese Verhaltensweise? Ganz offensichtlich ist die Identifikation mir den konsumierten Medien, an denen man Gefallen findet, sehr hoch. Daher ist es auch kaum verwunderlich, wenn Angriffe auf diese persönlich genommen werden und eines Racheakts bedürfen. Daraus ließe sich allerdings auch schließen, dass Wertungen der "eigenen" Medien auf einen selbst projeziert werden. Wenn man also einen Film genial findet, meint man damit, zu einem gewissen grad, eigentlich sich selbst. Und wenn ein Buch flach und uninspiriert ist, sind es zwangsläufig auch all diejenigen, die dieses Buch für gut befinden(Atheisten-Syndrom).
Es wird bemerkenswert selten ein Medium damit kritisiert, dass es nicht dem persönlichen Geschmack entspricht, es dreht sich alles um Nivau. Um das Nivau der Dialoge, der Sprache, der Atmosphäre, der Kameraarbeit oder was auch immer den Hobbyinterpreten gerade so alles einfällt.
Je weniger man also gut findet, desto höher muss also zwangsläufig das eigene Niveau liegen, man ist ja besseres gewohnt. Besonders hervorstechend ist dieser Chauvinismus bei Professionellen Kritikern zu beobachten, die finden alles kacke.

Auf einer eher subtilen Ebene ist dieser Austausch von Kritiken in Grunde nichts weiter als ein zumeist unbewusster, intelektueller Schwanzvergleich sowie Selbstbestätigung. Nutzlos, aber unheimlich unterhaltsam, wenn man den abschätzen kann, wie ernst was genommen werden muss. Probiert es mal aus!

Ach ja zum Sykophanten ist mir jetzt kein passender Brückenschlag untergekommen, aber jeder der das Wort nicht kennt, darf nun nachschlagen was es bedeutet und ob es überhaupt existiert.
So long.

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2 Comments:

Blogger Mazzekazze said...

pseudointellektueller schwanzvergleich wenn ich bitten darf

11:53  
Blogger Faust said...

Verzeih, du hast recht, natürlich. ;)

14:03  

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